Im vergangenen Dezember hab ich ein hoch interessantes Buch zum Thema “Demokratiemessung” gelesen, dass ich im Folgenden rezensieren möchte:
„Die 20 besten Demokratien der Welt -Freiheit
- Gleichheit – Demokratiequalität auf einen Blick“
von Thorsten D. Barth
Die Frage, wie es um den Zustand der Demokratien in Europa, den USA und dem Rest der Welt bestellt ist, stellt sich nicht erst, aber besonders jetzt, in Zeiten der Finanz-, und „Staatsschulden“ -Krisen und großen Protestbewegungen, die sich gegen den Abbau von demokratischen Grundrechten und der wachsenden sozialen Ungleichheit zwischen verschiedenen Bevölkerungsschichten richten.
Dabei fehlen in den Diskussionen über den Zustand von Demokratien oft noch empirische Daten. Hört man den Menschen zu, spielt daher oft das „Gefühl“, dass Ungerechtigkeiten in demokratischen Ländern zunehmen, eine große Rolle. Was fehlt, ist hingegen meist ein Maßeinheit, anhand der diese Gefühle objektiv argumentiert werden könnten.
Das Forschungsfeld der Demokratiemessung bietet reichlich Raum für neue Entwicklungen: tatsächlich kennt beispielsweise der deutschsprachige Wikipedia – Artikel nur wenige Messmethoden für die Qualität einer Demokratie.
So beschränkte man sich in der Vergangenheit oft auf die Unterscheidung, ob ein Land demokratisch ist oder nicht.
Einen wertvollen Beitrag für die Demokratieforschung leistet deshalb der promovierte Politologe Thorsten D. Barth in seinem Buch „Die 20 besten Demokratien der Welt. Freiheit – Gleichheit – Demokratiequalität auf einen Blick“.
Zur Messung von Demokratie hat Barth eine neue Methode entwickelt, der er den Namen „Democratic Life“ gibt. Im Mittelpunkt dieser Methode steht „das Leben von und das Leben in Demokratien“. Barth identifiziert zwei wesentliche Inhalte einer Demokratie: auf der einen Seite die Freiheit, auf der anderen die Gleichheit.
Unter „Freiheit“ versteht der Autor hierbei hauptsächlich die ökonomische Freiheit, also beispielsweise rechtliche Rahmenbedingungen, die dem Individuum die wirtschaftliche Entfaltung, etwa als Gewerbetreibender, ermöglichen. Zur Freiheit zählen aber auch die politischen Rechte und die „bürgerliche Freiheit“, unter dem Rechte wie das auf Privatsphäre und Versammlungsfreiheit subsumiert werden. All diese Teilaspekte werden im Rahmen der Forschungen unter dem sogenannten „Index of Freedom“ zusammengefasst.
Gleichheit wiederum ist in der Politikwissenschaft bisher wenig erforscht, diese Lücke versucht Barth mit dem „Index of Equality“ zu schließen. Er betrachtet zwei Teilbereiche: einerseits die politische, andererseits die soziale Gleichheit.
Die politische Gleichheit misst dabei, zu welchem Grad alle BürgerInnen eines Landes vor dem Gesetz gleich sind. Dazu zählt unter anderem die Rechtssicherheit, unter der etwa gemessen wird, ob die Menschen vor staatlicher Willkür geschützt sind. Zweites Beispiel wäre , ob eine funktionierende Administration im jeweiligen Land existiert, dieser Wert könnte etwa durch hohe Korruption negativ beeinflusst sein.
Soziale Gleichheit umfasst dagegen Faktoren wie Einkommensunterschiede, die Reichtumsverteilung, das Bildungssystem eines Landes oder die Frage nach einer angemessenen Entlohnung für eine wirtschaftliche Tätigkeit.
Die beiden Indizes setzt Barth aus Daten verschiedener Statistiken der Länder zusammen, für die er ein gewichtetes Punktesystem entworfen hat.
Seine – aus meiner Sicht plausible – Hypothese lautet: eine Demokratie ist dann ideal, wenn sie einen hohen Grad an Freiheit und gleichzeitig einen möglichst hohen Grad an Gleichheit besitzt.
Im zweiten Teil des Buches stellt Barth die demokratische Entwicklung der „20 besten Demokratien der Welt“ mit Hilfe seines „Democratic Life“ – Index im Verlauf der Jahre 1995 – 2008 dar. Dazu zieht er die „Top 20“ einer anderen, bereits existierenden, Demokratiemessmethode, die des sogenannten Democracy Rankings (www.democracyranking.org/) heran, an dessen Erstellung und Aktualisierung er ebenfalls mitwirkt. Diese Einschränkung ist zwar verständlich und notwendig, trotzdem wären gerade auch Messwerte für demokratisch weniger entwickelte Länder wie Indien oder Ägypten hoch interessant – hoffentlich werden diese in Zukunft nachgeliefert.
In diesem angesprochenen zweiten Teil wird graphisch ansprechend dargestellt, wie es um die Demokratie jedes dieser 20 Länder bestellt ist. Beispielsweise ist so erkennbar, dass sich die USA in einer Phase fortgeschrittener Entdemokratisierung befinden, die durch hohe Freiheitswerte, aber zunehmenden Ungleichheiten charakterisiert ist.
Für Österreich hingegen ist erkennbar, dass nach einer Phase um das Jahr 2002, in der die Kluft zwischen Freiheit und Gleichheit größer war, diese bis zum Jahr 2008 zurückgegangen ist. Hier könnte man als interessierter Politbeobachter etwa interpretieren, dass es einen Zusammenhang mit dem Wechsel von Schwarzblau hin zur Neuauflage von Schwarzrot geben könnte.
Zusammenfassend ist „Die 20 besten Demokratien der Welt“ mit seinem „Democratic Life – Index“ ein spannender neuer Ansatz, um Demokratie messbar zu machen. Stellenweise ist das Buch leider aufgrund der gewählten Zitationsform – Quellen werden hauptsächlich im Fließtext untergebracht – schwer lesbar. Mich persönlich hat auch gestört, dass Aufzählungen selten in tabellarischer Form vorliegen, was ebenfalls zur besseren Lesbarkeit geführt hätte.
Ansprechend ist dagegen der sprachliche Stil, der auch einem interessierten Laien nicht zu viel Fachvokabular und Vorwissen in der Thematik abverlangt. Auch helfen die graphischen Darstellungen im Buch zum besseren Verständnis des Erklärten.
Bleibt nur, jedem, der sich für Demokratie interessiert, wärmstens zu empfehlen. Es ist über Amazon erhältlich



