{"id":6125,"date":"2015-11-30T21:02:49","date_gmt":"2015-11-30T20:02:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.crazybird.net\/?p=6125"},"modified":"2015-11-30T21:02:49","modified_gmt":"2015-11-30T20:02:49","slug":"unsere-fluechtlingsfamilie-gemeinsam-schaffen-wirs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.crazybird.net\/?p=6125","title":{"rendered":"&#8222;Unsere&#8220; Fl\u00fcchtlingsfamilie &#8211; gemeinsam schaffen wir&#8217;s!"},"content":{"rendered":"<p>Wir treffen uns seit einem Monat regelm\u00e4\u00dfig mit einer Fl\u00fcchtlingsfamilie. Begonnen hat alles mit unserem schlechten Gewissen. Dem schlechten Gewissen, dass wir ein gutes Leben f\u00fchren, uns Dinge kaufen und leisten, die wir eigentlich gar nicht brauchen, w\u00e4hrend andere &#8211; auch in \u00d6sterreich <s> <\/s>&#8211; ums t\u00e4gliche \u00dcberleben k\u00e4mpfen und Menschen mit nicht viel mehr als ihren Kleidern am Leib vor Kriegen aus ihren Heimatl\u00e4ndern fl\u00fcchten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Dann begann im September 2015 die Fl\u00fcchtlingswelle: Wir sahen die schrecklichen Bilder in Ungarn, die Menschen, die sich in ihrer Verzweifelung zu Fu\u00df von Ungarn auf den Weg nach \u00d6sterreich machten, die sofortige Hilfsbereitschaft der Zivilgesellschaft an den Bahnh\u00f6fen in \u00d6sterreich. Gleichzeitig waren wir gar nicht \u00fcberrascht vom Versagen der \u00f6sterreichischen Innenpolitik geschweige denn von der Hetze und den primitiven Parolen aus den einschl\u00e4gigen Reihen. Betroffen und nachdenklich gestimmt hat uns hingegen die skeptisch-ablehnende Haltung aus unserem eigenen Umfeld, wonach uns diese gesamte Fl\u00fcchtlingssituation auf Dauer \u00fcberfordern werde, diese Fl\u00fcchtlinge mit einer g\u00e4nzlich falschen Erwartungshaltung zu uns k\u00e4men oder schlichtweg nicht zu uns passen. Solche Antworten wollten wir freilich nicht akzeptieren. <s> <\/s><\/p>\n<p>Schlie\u00dflich brachten uns diese vielen Diskussionen auf eine Idee. Wir schrieben eine der Hilfsorganisationen an, mit dem Vorschlag, dass wir gerne in Kontakt zu Fl\u00fcchtlingen treten wollen. Wir w\u00fcrden diese Menschen in weiterer Folge alle ein bis zwei Wochen treffen, mit ihnen etwas unternehmen \u2013 spazieren gehen, ein Museum besuchen oder einfach Deutsch lernen. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt auch nicht, ob dies funktioniert, waren sogar skeptisch gegen\u00fcber solch \u201eorganisierten Bekanntschaften&#8220;.<\/p>\n<p>Heute wissen wir: Es ist m\u00f6glich. Wir haben die vierk\u00f6pfige Familie aus dem arabischen Raum mittlerweile drei Mal getroffen. Bei einem einem ersten kurzen Treffen in Anwesenheit einer Mitarbeiterin der Fl\u00fcchtlings-NGO tauschten wir Telefonnummern aus und verabredeten uns f\u00fcr das kommende Wochenende.<\/p>\n<p>Der darauf folgende Sonntag erwies sich dann als \u00e4u\u00dferst sch\u00f6n, sehr lehrreich und interessant \u2013 und zwar sowohl f\u00fcr uns als auch f\u00fcr die Familie. Gemeinsam besuchten wir den Wiener Christkindlmarkt und ein bekanntes Wiener Kaffeehaus. \u00dcberraschend f\u00fcr uns kam dann die Essenseinladung der Familie in ihre Unterkunft. Wir genossen ein herrlich zubereitetes arabisches Essen.<s> <\/s><\/p>\n<p>Lehrreich war der Tag f\u00fcr uns, weil wir erkannten, dass sich ihre Art zu Leben so gut wie gar nicht von der unsrigen unterscheidet. Vielen Fragen der Familie, insbesondere zur komplizierten deutschen Grammatik, konnten wir besch\u00e4hmenderweise auch nicht restlos beantworten. Dass die Uhren in \u00d6sterreich im Hinblick auf die Dauer der Asylverfahren anders ticken, ist leider ein trauriges auch f\u00fcr uns unverst\u00e4ndliches Faktum, was wir mit der Familie &#8211; die seit mehr als zwei Jahren auf <s> <\/s>eine Erledigung ihres Verfahrens wartet &#8211; ebenfalls er\u00f6rterten. <s> <\/s><\/p>\n<p>Beim dritten Treffen haben sie uns in der Wohnung besucht, wir haben gemeinsam Deutsch und Arabisch gelernt, gekocht und gegessen. F\u00fcr die Zukunft sind gemeinsame Museumsbesuche, gemeinsames Kochen und vieles mehr geplant. Es steht mit Sicherheit noch eine interessante und sch\u00f6ne Zeit vor uns. Wir gestehen aber durchaus zu, dass wir noch vor dem Kennenlernen die Treffen mit diesen Menschen als eine ehrenamtliche Aufgabe betrachteten. Allerdings \u00e4nderte sich dieser Zugang schon nach dem ersten Kennenlernen: Denn f\u00fcr uns sind es mittlerweile kein Treffen mehr mit Fl\u00fcchtlingen, sondern vielmehr Treffen mit Freunden (mittlerweile kommunizieren wir auch fast t\u00e4glich \u00fcber Whatsapp und tauschen uns aus), die f\u00fcr alle bereichernd sind und eine Freude machen. <s> <\/s><\/p>\n<p>Die wichtigste Erkenntnis ist: genau SO kann ehrlich gemeinte Integration funktionieren. N\u00e4mlich: indem BEIDE Seiten offen und willens sind, einander kennen zu lernen. <s> <\/s><\/p>\n<p>Die Erfahrungen, die wir in den letzten Wochen sammeln durften, haben uns auf eine Idee gebracht: Wie w\u00e4re es, eine Onlineplattform zu schaffen, auf der sich interessierte AsylwerberInnen und interessierte \u00d6sterreicherInnen einfach und unkompliziert kennenlernen k\u00f6nnen? Wir stellen uns dabei etwas \u00c4hnliches vor wie eine der zahlreichen Partnerb\u00f6rsen, nur eben mit dem Ziel, Integration zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Wir haben unter dem Arbeitstitel \u201ehit it off\u201c (englisch f\u00fcr \u201esich gut verstehen\u201c) <a href=\"http:\/\/www.crazybird.net\/ergaenzende-texte\/hit-it-off-menschen-kennenlernen\/\">ein erstes Konzeptpapier<\/a> erarbeitet, dass wir hiermit zur Diskussion stellen.<\/p>\n<p>Bianca Fink und Stefan Mackovik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir treffen uns seit einem Monat regelm\u00e4\u00dfig mit einer Fl\u00fcchtlingsfamilie. Begonnen hat alles mit unserem schlechten Gewissen. 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